Etwas zur Geschichte und Erhaltung des Bergmanndenkmals auf dem Schacht 371 bei Hartenstein



Das restaurierte Denkmal



Um 1958, so berichteten mir Zeitzeugen, haben ein Kollektiv von Markscheider / Geologen vom Schacht 366 in Eigeninitiative diesen markanten Bergmann aus Beton hergestellt. Dieses Denkmal ist mir auch in Erinnerung, als Hauerlehrling fuhr ich in diesen Schacht auch ein.
Der Schacht 366 in Alberoda gehörte zur Lagerstätte Schlema, Alberoda, Hartenstein. Seine Inbetriebnahme war 1956. Er hatte eine Tiefe von 683m und war ein Hauptförderschacht neben dem Schacht 38 und 371.
Schon vor dem Ende des Wismutbergbaus war seine Förderkapazität eingeschränkt. Am 08.05.1989 wurde das Fördergerüst abgerissen, ein markanter Tag – der 08.05 war in der DDR ein Feiertag „Tag der Befreiung“. Es gab viele Stimmen dieses Fördergerüst zu erhalten. Unter anderem Professor Wagenbreth, als weithin sichtbares Wahrzeichen und des Wismutbergbaus.

Etwa ein halbes Jahr vor dem Umlegen des Fördergerüstes wurde durch umsichtiges Handeln von Mitarbeitern das Denkmal auf das jetzige Gelände des Schachtes 371 umgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Wismut nach dem Ende ihrer Betriebszeit eine Abwertung erfahren. Auch Zerstörungswut und Diffamierung ertragen. Weiterhin musste das Denkmal vor Vandalen geschützt werden.
Im Zeitgeist, besonders der 60er Jahre, in denen der „kalte Krieg“ die Weltpolitik bestimmte, entwickelte sich der Wismutbergbau rasant zu einem gewaltigen Bergbau, den es vorher und nachher im Erzgebirge nicht gab. Als wichtigster Uran-Lieferant an die sowjetische Rüstungsindustrie hat die Wismut damals weltpolitische Bedeutung gehabt. Schon immer hatte die Menschheit Helden gebraucht. Diese Helden gab es auch im Wismutbergbau. Schlafmützen, Faulenzer … hatten im Wismutbergbau keine Chance, Akkordarbeit war gefragt. Dieser Bergbau hat jede Anforderung angenommen und gelöst „Ein geht nicht, gibt’s nicht“, so ein Spruch der Wismut. In der Tat, die Leistungsbereitschaft und Leistungen auf allen Ebenen sind legendär, viele Bergleute waren legendär … Anforderungen die heute niemals vollbracht werden können … „Wer den Wismutbergbau nicht kennt, hat von Bergbau keine Ahnung“ sagte der Wismuter Reinhard Vogt, Band 5. Allein die horizontalen Ausdehnungen der Gewinnungsobjekte im Bereich Schlema, Alberoda, Hartenstein umfassen 4100km. Ein Anschauliches Beispiel ist die Halde von Schacht 366, heute führt der Autobahnzubringer Aue-Hartenstein hindurch. Über 440 Schachtanlagen waren in den 40 Jahren Wismut in Betrieb, welche Leistungskraft!
War es Zufall, dass das Denkmal wie der damalige Hauerbrigadier Ernst Schablack aussah? – wir wissen es nicht. Spitznamen waren im Bergbau üblich, deshalb nannten die Kumpel das Denkmal „Schablack Ernst“.

Das Material: Beton mit Armierung.
Das Kabel zur Kopflampe ist aus einer Kupferoberleitung die E-Loks brauchten. Die Arbeitskleidung typisch der 60er Jahre, Helm, Kopflampe, Batterie am Gesäß, Jacke, Hose, Gummistiefel. In der linken Hand einen Plan …?
Aber auch ein Bergmann, der sich in der Arbeit bewusst war, welches Leid und Tod sie mit sich brachte - das gehört auch zum Hintergrund eines Denkmals.
Der Schacht 371, auch Jugendschacht genannt, ist „mein Schacht“, dort arbeiteten mein Vater, mein Bruder Gunter und ich, deshalb eine starke emotionale Verbindung ... . Um Informationen vor Ort zu erhalten, besuchte ich den damaligen Obersteiger Siegfried Geyer und seinen Nachfolger Peter Wolff. Das Denkmal, welches immer mehr erodierte, machte mir Sorgen, deshalb sollte es „gerettet“ werden, wie schon einmal auf den Schacht 366. Nach intensivem Kontakt mit der Geschäftsleitung, dass hier eine dringende Sanierung erfolgen muss, war ich dankbar und froh, dass eine Entscheidung für den Erhalt des Denkmals fiel, mit der Option eine Firma zu finden, die dafür in Frage käme.
Die Suche war für mich aufwändig, sollte doch die Sanierung alsbald beginnen. Zu über 6 Steinmetzfirmen sowie Künstlern nahm ich den Kontakt auf. Zum Beispiel Volker Beier, dem Dekan der Kunsthochschule Schneeberg, dem Steinmetzbetrieb Scheunert in Stollberg, Ray Kunzmann, Scheibenberg u. a. Im August 2019 begannen die Arbeiten durch eine Firma in Walthersdorf. Ende September waren die Arbeiten beendet. Nun fehlt nur noch eine Hinweistafel mit Auskunft zum Denkmal.
Ende gut alles gut – dabei bin ich stolz, Etwas für den Erhalt des Denkmals beigetragen zu haben.
Die Freie Presse berichtete.



Nachbetrachtung


Wer das Denkmal anschaut, sollte auch die Worte von Helmut Herzog kennen (er war der letzte noch lebende Bergmann seiner Brigade, die sich beim Grubenbrand 1955 auf dem Schacht 250 einmauerte, welche später von der Grubenwehr gerettet wurde), der mir sagte: „… Kameradschaft und Verantwortung, die jeder im Bergbau trägt, sollte sich überall – auch in der Gesellschaft fortsetzen …“ siehe Band 5.
Helmut Herzog verstarb am 04.05.2013.

Bilder


Vorher:





Nahaufnahme des Kopfes


Die rechte Seite





Nachher:



Hier sieht man deutlich, dass beim Erzhammer die Spitze fehlt, nach meinem Hinweis erfolgte die Änderung.






Gedicht zum Gedenken an Wismutbergleute


Bergmanns Tod

L. v. Stalbergk



Weine-
weine aber nur jetzt
weine wie das Wasser fließt und springt
wie altes Leben Neues bringt

Hast Trauer und schweres Gemüt
ich erinnere mich
durch unsere Liebe
war das Leben wie ein schönes Lied

Ich stieg nicht hinauf zu hohen Gipfeln
sondern hinab zum tiefen Erdengrund
die Seilfahrt wartet nicht
auf, auf
ich muss zur Schicht

Nicht verzagen, sondern wagen
wenn die Sonne scheint, da oben
bricht Gewalt mit Stahl den Fels
und verbittert Kräfte toben



Im Labyrinth der Schächte
folgte ich dem Licht
doch gleich dahinter, leise –
war auch ein schwarzer Flor,
die Dunkelheit
die jedes Leben bricht

Unten im tiefen Schacht
hab ich oft an dich gedacht
wie mich deine zarte Hand berührt
dein liebes Wort verführt
statt harter Fels kamst du ins Herz hinein –
deine Bergmannstreue war mein Sonnenschein

Gebirgsdruck, Hitze, Staub und andere Gefahr –
bei Schweiß, dass bald die Sehnen platzen –
ich hab‘s ertragen - Jahr für Jahr

Weine auf unsre Liebe
die ist nie entzweit,
auch du bist meine Bergmannszeit

Weine jetzt nicht mehr
es war mein Leben, meine Ehr
Bergmann wollt ich sein
nun kehr ich für immer in den Berg hinein

Nie mehr komme ich zurück –
Ich danke dir,
du warst mein Glück







Beisetzung des verdienten Wismutbergmannes Wolfgang Keiling (02.02.1935 -19.08.2015), Friedhof Niederschlema

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